Mittwoch, 23. Juli 2014

Lesestoff für lange Badetage: Rezension „Besser essen- Wie grüne Küche, Flexitarier und Co mit Genuss die Welt verändern“ von Rudi Anschober, bei Styria regional

Ein Buch das sich schon im Titel mit dem Genuss beschäftigt weckt natürlich meine Neugierde. Daher war ich ehrlich erfreut über das Angebot, ein Rezensionsexemplar erhalten zu können.

 Für viele Menschen schließen sich die Worte „grüne Küche- Flexitarier- Genuss“  ja schon im Vorhinein aus. Dass dem nicht so ist kann man nicht nur hier im Blog regelmäßig nachlesen, viele Bücher und Artikel beschäftigen sich mit diesen Themen und beweisen, dass Genuss nichts zu tun hat mit Intensivtierhaltung, Landwirtschaft die basiert auf großflächigem Einsatz von Pestiziden und Co, Verfügbarkeit aller Lebensmittel rund ums Jahr und rund um die Uhr.

Das Buch selbst liest sich sehr angenehm und flüssig, es ist unterteilt in einzelne „Gänge“ statt Kapitel. In diesen einzelnen Gängen gibt’s nicht nur ansprechende Fotos, viel Information zu den unterschiedlichen Themen und Rezepte, sondern auch bekannte Persönlichkeiten aus der Welt der Kulinarik kommen zu Wort. Hier erfährt man beispielsweise wie der bekannte Koch Yotam Ottolenghi „besser essen“ möchte, was sich der Autor Valentin Thurn („Taste the waste“) von der Politik wünscht, wo Günter Achleitner (www.biohof.at) Verbesserungsmöglichkeiten in unserer Ernährung sieht, und vieles mehr.

Vorwiegend abgehandelt werden die Themen saisonales Einkaufen, Bio-Anbau, Regionalität, fairer Handel, vegetarische Ernährung, Fischverzehr regional und noch viele mehr. Diese Themen sind in absolut leicht lesbar Art verfasst und gut verständlich, man kann sich aber tatsächlich auch mit Erfahrung auf diesen Gebieten sicher noch das Eine oder Andere mitnehmen für sich selbst. Wer das erste Mal hineinschnuppert in die Welt des „Besser Essens“, der wird überrascht sein wie einfach manche Dinge gleich umzusetzen sind.

Man sieht also schon: es ist kein reines Kochbuch das hier vor einem liegt, aber auch kein Sachbuch das nur belehren und die Welt verbessern möchte.

Zum umfassenden Rezepteteil des Buches gibt es hauptsächlich Positives zu berichten. Dieser gliedert sich glücklicherweise nach Jahreszeiten, die Zutatenlisten verzichten auf teure und schwer erhältliche spezielle Lebensmittel und widmen sich hauptsächlich dem was sich hier auf unseren österreichischen Feldern, Ställen  und Böden tummelt. Das macht die Rezepte leicht nachkochbar, schont unsere Geldbörsen und die Nerven beim Einkauf.

Viele Rezepte sind auch für Vegetarier oder Veganer geeignet- diese sind auch noch extra gekennzeichnet. Ein Rezepteindex am Ende des Buches erleichtert die Suche, leider wurde darauf verzichtet, auch hier vielleicht noch einen kleinen Hinweis auf vegetarische oder vegane Rezepte anzubringen. Am Beginn jeder neuen Jahreszeit findet man einen umfangreichen Saisonkalender für Obst und Gemüse.

Viele Rezepte sind mit Bildern versehen, wenn auch leider nicht alle- für optische Genießer wie mich doch ein kleiner Wehmutstropfen. Bei den Frühlingsrezepten welche mit Zimt als Zutat zu finden war für mich eher erstaunlich, aber warum nicht? Gibt schließlich auch kalte Frühlingstage, an denen sich solch ein Gericht wie der Spargel mit Zimt genießen lässt.

Besonders empfehlenswert finde ich den Teil mit den Basisrezepten, z.B. für Teigrezepte. Leider konnte ich diese Basisrezepte noch nicht testen, das steht aber mit Sicherheit als Nächstes an, denn gerade hier zeigt sich, wie gut oder schlecht ein Gericht am Ende schmeckt.

Dass das Selbst-Kochen (im Gegensatz zum Kochen mit der Schere, wie Rudi Anschober es nennt, sprich diverse Fixbeutelchen aufzumachen) eindeutig billiger ist als Fertigprodukte zu konsumieren – vorausgesetzt man beachtet die Grundregeln des regionalen, saisonalen Einkaufs, wird im Buch ebenfalls hinreichend erläutert. Hierfür bin ich besonders dankbar, denn diese Argumentation bekam ich schon des Öfteren umgekehrt zu hören. Nun kann ich endlich auch auf Quellen verweisen, die das Gegenteil belegen.

Die Kampagne „Fleischfrei-Tag“ (www.fleischfrei-tag.at) ist glücklicherweise ebenso Teil des Buches wie ein Kapitel zum Thema Einkochen und Reste verkochen. Ein kleiner Ausflug in die Welt der Nahrungsmittelindustrie findet sich am Schluss des Buches, und mit einem Zitat von Jonathan Safran Foer, das den Wert von Nahrungsmitteln meiner Meinung nach gut beschreibt, möchte ich die Rezension abschließen: „Stellen sie sich vor, man serviert ihnen einen Teller Sushi. Und auf diesem Teller sind auch all die Tiere, die für ihre Portion Sushi sinnlos mitgetötet wurden. Der Teller müsste einen Durchmesser von 1,50 Meter haben.“  Eindrucksvoll und zum Nachdenken und Nachlesen anregend, oder?

Mir gefällt das Buch insgesamt ausgesprochen gut und ich bin der Meinung, so aufbereitet kann sich jeder leicht dem Thema „Besser essen“ annähern – wer weiß, vielleicht landet das Buch als Geschenk ja bald auch des Öfteren im Freundeskreis?

Im Anschluss findet ihr noch eines der Rezepte, die ich bereits nachgekocht habe. Ganz dem Thema des Buches folgend hab ich es ein wenig abgeändert, und mich auch meiner Vorräte bedient da meine eigenen Tomaten sich noch ein wenig Sonnenschein gönnen. Die Suppe kam an einem heißen Sommertag lauwarm auf unseren Tisch.
 
 

Pappa-Paradeiser-Brotsuppe

Zutaten für 4 Personen:

800 g frische Tomaten (Paradeiser)
800 g Passata
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Olivenöl (nehmt richtig gutes, dass euch auch so zum Naschen schmeckt!)
Salz, Pfeffer, Basilikum gehackt
Älteres Brot (bei uns kamen die selbst gemachten Burgerbrötchen zum Einsatz, die seit Ewigkeiten im Tiefkühler schlummerten und eigentlich nicht gut genug gelungen sind damals um sie nochmal in Burger zu verwandeln), ich verwendete für die Menge an Suppe 4 große Burgerbrötchen.
500 ml Gemüsesuppe

Zubereitung:

Tomaten entkernen und grob würfeln. Zwiebel und Knoblauch hacken, im Öl glasig anschwitzen. Tomaten und die Suppe hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen und mindestens eine Stunde bei geringer Hitze vor sich hin köcheln lassen – so werdet ihr mit unvergleichlichem Geschmack belohnt!
Die Brötchen grob würfeln, ein Drittel davon in einer Pfanne mit Olivenöl knusprig anbraten und leicht salzen.
Den anderen Teil der Brötchen am Schluss zur Suppe hinzufügen. Je nachdem welches Brot ihr verwendet braucht ihr evtl. noch etwas mehr Gemüsesuppe. Suppe nochmals abschmecken, mit den knusprigen Brotwürfeln bestreuen.

Optional fügt ihr auch noch Tabasco oder Cayennepfeffer hinzu. Die Suppe lässt sich prima vorbereiten, und schmeckt auch nach 1,2 Tagen noch ausgezeichnet.

Weil Genuss so einfach sein kann!
 

Kommentare:

  1. Schade, dass ich schon Geburtstag hatte...und derzeit so wenig zum Lesen komme. Hört sich sehr interessant an das Buch! Vielleicht kann man sich das bei der Himbeerschoko mal ausleihen zum Schmökern :-)

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    1. Ganz bestimmt kann man das :-) Gleich mal einpacken die Tage für die Reise....

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